Möbel mieten – lohnt sich das?

Möbel mieten – lohnt sich das

Ein Auto zu mieten, ist ebenso eine Selbstverständlichkeit wie das Mieten einer oder eines Hauses. Wer sich für einen besonderen Anlass kein elegantes Abendkleid kaufen möchte, mietet es einfach und selbst die Luxushandtasche kann gemietet werden. Aber Möbel mieten? Das, was in den USA schon lange ein Thema ist, kommt jetzt auch nach Deutschland. Es sind aber nicht nur Büromöbel, sondern auch Möbel für Wohn- und Schlafzimmer, die man einfach mieten kann.

Öfter mal was Neues

Die Groß kauften noch Möbel, in denen sie in der Regel alt geworden sind. Heutzutage wünschen sich viele Menschen aber mehr Abwechslung, wenn es um ihr Zuhause geht. Wer möchte schon mit dem Schrank aus Studentenzeiten noch 20 Jahre leben oder auf einem durchgesessenen Sofa sitzen? Möbel mieten bietet sich hier als Alternative zum Kauf an, denn gute Möbel kosten eine Menge . Beim Möbel mieten spielt aber nicht nur das Geld eine große Rolle, auch die Nachhaltigkeit spielt mit. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie kommt das Möbel-Sharing bei den Deutschen an? Ziehen sie Eigentum vor, oder schlafen sie auch in Betten, in denen schon andere Menschen gelegen haben?

Wer vermietet Möbel?

Streng genommen ist der Aufenthalt in einer Ferienwohnung oder in einem Hotelzimmer ebenfalls ein temporäres Leben in gemieteten Möbeln. Möbel mieten für das eigene Haus ist allerdings etwas ganz Anderes. So etwas kommt beispielsweise für diejenigen infrage, die aus beruflichen Gründen oft umziehen müssen. Sie wechseln in vollständig möblierte Wohnungen und müssen nur noch die Kleidung in die Schränke räumen. Das Konzept, das in Amerika schon seit mehreren Jahrzehnten bekannt ist, kennt in Europa kaum jemand. Der Möbelriese IKEA hat schon 2019 damit begonnen, Möbel zu vermieten. „Second Life“ heißt dieses Programm und die zuvor vermieteten Möbel können anschließend günstig gekauft werden.

Perfekt für Geschäftsleute

Neben IKEA hat sich ein weiteres Unternehmen auf das Möbel mieten spezialisiert: das Start-up „NORNORM“ aus Dänemark. Hier können für einen bestimmten Zeitraum komplette Büroeinrichtungen im praktischen Abo-Modell gemietet werden, sogar für das Homeoffice. Das Versandhaus „Otto“ und der Kaffeehändler „Tchibo“ haben den Trend der erkannt und Möbel-Sharing angeboten. Leider hatten diese beiden Modelle für die Büroeinrichtung, noch für die normale Hauseinrichtung wenig Erfolg. Inzwischen haben beide Unternehmen das Programm „Möbel mieten“ wieder eingestellt.

Zimmerpakete

Bei anderen Unternehmen kommt das Mieten von Möbeln deutlich besser an, wie beispielsweise bei „Lyght Living Furniture Leasing“. Seit 2011 werden dort ganze sogenannte Zimmerpakete vermietet. Am Anfang wurden lediglich Schreibtische, Sofas und Stühle angeboten, inzwischen gibt es auch Esszimmereinrichtungen im Paket, ebenso wie einzelne Regale, Kommoden, Sideboards und anderes Interieur. Wer möchte, kann ein solches Zimmerpaket mieten, aufstellen und auch wieder abbauen lassen. In einer Arbeitswelt, die zunehmend flexibel ist, kommen die gemieteten Möbel im Paket sehr gut an.

Wie funktioniert das Möbel mieten?

Bei den meisten Anbietern funktioniert das Sharing-Programm mit Möbel denkbar einfach. Der Kunde muss zunächst einmal festlegen, wie lange er die Möbel benötigt. Möglich ist ein Zeitrahmen zwischen vier Wochen und 36 Monaten. Vom Zeitraum abhängig ist dann die Auswahl, die das entsprechende Unternehmen präsentiert. Aus diesen Angeboten kann der Kunde alsdann sein persönlich passendes Sortiment zusammenstellen. Je länger die Möbel gemietet werden, umso höher ist auch die Summe, die jeden Monat gezahlt werden muss. Nachdem die Auswahl getroffen wurde, erfolgt die Anfrage an das Unternehmen.

Möbel maßgeschneidert

Im Computerzeitalter ist es möglich, sich mit dem entsprechenden Programm ein oder ein ganzes Haus virtuell einzurichten. Unternehmen wie „NORNORM“ bieten ihren Kunden interaktive Modelle in 3D, die dabei helfen, die Büromöbel zur Probe einzurichten, ganz nach Größe des Zimmers und nach dem persönlichen Geschmack. Passt alles, dann werden die Möbel gemietet, geliefert und aufgestellt. Da Lampen und andere Accessoires ebenfalls gemietet werden können, ist das Zimmer schnell komplett.

Wie teuer ist das Mieten von Möbeln?

Wie bei allen anderen Dingen, die man mieten kann, hat auch jedes Unternehmen, das Möbel vermietet, andere Preismodelle. Beim dänischen Anbieter „NORNORM“ ist die Größe des Raumes für den Preis entscheidend. Aktuell liegt der Preis für die Einrichtung bei drei Euro pro Quadratmeter und Monat, wobei Lieferung, Aufbau und Service bereits im Preis enthalten sind. Da die Kunden zu Mitgliedern des Unternehmens werden, kommt noch ein Mitgliedsbeitrag von einmalig 18 Euro dazu. Wer also ein Büro mit einer Größe von 80 Quadratmetern mit gemieteten Möbeln einrichten will, zahlt im Monat 240 Euro. Mit dem Mitgliedsbeitrag sind das einmalig 4320 Euro im ersten Jahr und 2880 Euro in den folgenden Jahren.

Das passende Paket wählen

„Lyght Living“ hat unterschiedliche Zimmerpakete im Programm. Wer beispielsweise für sein Büro zu Hause einen Schreibtisch mit passendem Stuhl und einen Aktenschrank mietet, zahlt dafür 42 Euro im Monat. 50 Euro sind es für ein Einrichtungspaket für das Esszimmer, bestehend aus einem Esstisch mit sechs passenden Stühlen. Ein komplettes Paket für das Wohnzimmer kostet knapp 87 Euro, der teuerste Raum ist jedoch das Schlafzimmer, was bei 120 Euro im Monat liegt. Wird noch Zubehör gewünscht, wie etwa Lampen, dann kostet dies extra. Wer eine Einrichtung für zwei Monate mietet, zahlt für das Esszimmer 69 Euro, das Wohnzimmer 112 Euro und das Schlafzimmer 154 Euro. Möglich sind auch Pakete mit Büroeinrichtungen, sie liegen bei 56 Euro pro Monat, der Gesamtpreis im Jahr für das Möbel mieten beträgt 4644 Euro.

Die Vorteile

Möbel mieten ist eine gute Sache für Menschen, die Flexibilität brauchen oder mögen. Dies ist bei Studenten der Fall, sowie für alle, die einen Zweitwohnsitz haben. Wer berufsbedingt öfter umziehen muss, bekommt damit ein gemütliches Zuhause auf Zeit, ohne Möbel kaufen zu müssen. Auch wer die Umwelt schonen will, sollte auf Möbel-Sharing setzen.

Fazit

Kann durch das Mieten von Möbeln wirklich Geld gespart werden? So etwas hängt immer vom jeweiligen Einzelfall ab. 4700 Euro im Jahr sind viel Geld für eine Einrichtung, die man genauso gut kaufen kann, die anschließend mehrere Jahrzehnte lang hält. Je sicherer und sesshafter man ist, umso sinnvoller ist es, qualitativ hochwertige Möbel zu kaufen. Alle, die wenig Geld zur Verfügung haben, sollten sich in Secondhand-Shops umschauen und preiswert gebrauchte Möbel kaufen. Wird hingegen eine Büroeinrichtung nur kurzfristig gebraucht, dann ergibt es durchaus Sinn, die erforderlichen Möbel einfach für einen bestimmten Zeitraum zu mieten.

Bild: @ depositphotos.com /Krakenimages.com

Tommy Weber